Seite auswählen

Die beiden Begriffe unterscheiden sich für mich sowohl in der Zielsetzung als auch in der Herangehensweise. Mit beidem habe ich mich beschäftigt, denn eine Depression mitsamt Rückfällen machte mir deutlich, dass ich etwas ändern muss. Veränderung kann sehr positiv sein, insbesondere wenn es darum geht, zu einem besseren Verhältnis zu sich selbst zu gelangen. Allerdings gibt es wie bei den meisten Dingen im Leben den Punkt, an dem etwas Gutes beginnt, sich ins Gegenteil zu verkehren, meist eher schleichend als mit einem großen Knall.

Okay ist gut genug

Wir müssen nicht perfekt sein, wir dürfen Fehler machen, Schwächen haben, auch mal stolpern und versagen. Das gehört zum Leben, wir sind keine Maschinen, die man nur richtig programmieren muss, damit wir bestmöglich funktionieren. In „Selbstoptimierung“ klingt  aber bereits an, dass es nicht nur darum geht, gut auf seine körperliche und seelische Gesundheit zu achten und insgesamt ein zufriedenes Leben zu führen, sondern um das Erreichen eines Optimums, wie auch immer das aussehen mag. Schneller, höher, weiter, Du kannst noch glücklicher, noch fitter, noch schöner sein, wenn Du Dich nur genug anstrengst …

Aber ist es die ganze Anstrengung wert? Und macht das überhaupt zufriedener? Ich glaube nicht, denn es besteht die Gefahr, dass was vielleicht als positive Veränderung angedacht war in Perfektionismus ausartet. Habe ich mich gut genug an meinen Optimierungsplan gehalten, richtig gegessen, die idealen Trainingseinheiten gewählt, mich genug selbst motiviert, ausreichend an meiner Einstellung gearbeitet, für eine perfekte Work-Life-Balance gesorgt? Sich zu intensiv mit solchen Fragen auseinanderzusetzen lenkt den Blick nur auf Defizite, die einem vorher vielleicht noch gar nicht bewusst waren.

Lieber entspannt als optimiert

Wer mit seinem Leben unzufrieden ist, sollte etwas ändern, keine Frage. Selbstoptimierung halte ich aber für den falschen Weg, denn sie birgt die Gefahr, sich zu sehr unter Druck zu setzen und den Blick für die kleinen positiven Entwicklungen zu verlieren, weil der Fokus zu sehr auf dem Idealzustand liegt, den man am Ende erreichen möchte. Viel besser finde ich eine Kombination aus Akzeptanz und Selbstfürsorge. Beides hilft mir sehr, insgesamt zufriedener durchs Leben zu gehen und schwierige Phasen besser abzufedern. Ich habe gelernt, entspannt mit mir selbst umzugehen und den Widrigkeiten des Lebens umzugehen und mich zugleich gut um mich zu kümmern.

Akzeptanz ist vor allem wichtig, wenn es um Dinge geht, an denen ich nichts ändern kann. Den Regen interessiert es nicht, ob ich mich über ihn ärgere, er fällt gänzlich unbeeindruckt weiter vom Himmel. Ich kann mir eine Regenjacke anziehen oder einen Schirm aufspannen, aber ich kann ihn nicht abschalten. Sich innerlich gegen ihn zu sträuben, ist völlig nutzlos. Also akzeptiere ich lieber, dass er da ist und mache das Beste draus. Wenn ich eine Wanderung geplant habe und das Wetter nicht mitspielt, verschiebe ich sie eben. Sicher bin ich im ersten Moment auch mal enttäuscht, aber ich kann beeinflussen, ob ich mir davon den ganzen Tag verderben lasse oder ob ich gegensteuere, indem ich zum Beispiel meine Lieblingsfilme schaue oder ein richtig tolles Buch lese.

Selbstfürsorge bedeutet, gut mit mir selbst umzugehen, mich um meine Bedürfnisse zu kümmern, und zwar nicht, indem ich irgendwelchen Listen oder Vorgaben folge, sondern indem ich darauf achte, was ich brauche, um mich wohlzufühlen. Dazu gehört zum Beispiel, mich ausreichend zu bewegen. Wie effektiv eine bestimmte Sportart ist, spielt dabei keine Rolle für mich, der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund. Ich habe zwar auch schon Trainingspläne mit bestimmten Zielsetzungen ausprobiert, das hat mich aber mehr frustriert. Mal habe ich Lust zu tanzen, mal mache ich mich zu einer Wanderung auf, mal reicht es nur für einen kleinen Spaziergang. Alles in Ordnung, Hauptsache ich hänge nicht nur auf dem Sofa rum. Bei der Ernährung ist es ähnlich. Ich achte darauf, dass sie insgesamt gesund ist, aber wenn ich eine Pizza will, dann esse ich die, ohne mir Gedanken um Kalorien oder eine schlechte Nährstoffversorgung zu machen. Solange ich nicht zum Fast Food Junkie mutiere, ist alles bestens.

Ich mag mich, auch wenn ich nicht perfekt bin

Und ich liebe das Leben mit all seinen Stürmen und Stolpersteinen, ohne die ich vielleicht gar nicht wüsste, wie schön es ist, wenn der Weg gerade und von Sonnenstrahlen beschienen ist. Ich bin nicht optimal, mein Leben ist es nicht, aber ich bin mit beidem zufrieden, und darauf kommt es doch letzten Endes an, oder nicht?

0 Kommentare

Kommentieren

Name und Website sind optional, Du kannst auch anonym kommentieren.
Die Kommentare werden moderiert und erst nach Prüfung freigeschaltet. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.

Datenschutzhinweise

Mit dem Absenden dieses Formulars stimmst Du der dauerhaften Speicherung und Veröffentlichung der eingegebenen Daten zu. Du kannst dieses Einverständnis jederzeit per E-Mail widerrufen und von Deinem Recht auf Löschung Deiner personenbezogenen Daten Gebrauch machen. Nicht veröffentliche Kommentare werden innerhalb von 7 Tagen vollständig gelöscht. Deine IP-Adresse wird nicht gespeichert. Weitere Infos findest Du in der Datenschutzerklärung.

Bitte wundere Dich nicht, dass Du Deinen Kommentar nicht siehst. Er ist zu 99 Prozent sicher in der Warteschleife angekommen und wird so bald wie möglich geprüft.